Vertriebsunterstützung

Vertriebsmitarbeitende in Shopify einrichten: nativ, per App oder extern?

Zugriff, Oberfläche und Verantwortung

Die Frage, wie Vertriebsmitarbeitende in Shopify eingerichtet werden, wird meistens als Klickanleitung verstanden. Operativ betrachtet ist sie aber eine Frage des Arbeitsplatzes: In welcher Oberfläche sitzt der Vertrieb den ganzen Tag, und welches System erzeugt am Ende die Bestellung?

Wer im Außendienst arbeitet und im Kundentermin durch den Shopify Admin navigiert, sitzt in einem Werkzeug, das für Shopbetreibende gebaut wurde. Und wer als externe Handelsvertretung ein Backend-Konto bekommt, nur um Bestellungen einreichen zu können, hat formal Zugriff auf ein System, das mit dieser Rolle rechtlich und organisatorisch nichts zu tun hat.

In diesem Artikel gehe ich die drei möglichen Wege durch, ihre Auswirkungen auf Kosten, Sicherheit und den Berufsalltag der Mitarbeitenden, und woran sich erkennen lässt, welcher davon zum eigenen Aufbau passt.

Der Normalfall vor der Entscheidung: ein Konto für alle

Bevor es drei Wege gibt, gibt es meistens gar keinen. Der Vertrieb bekommt kein eigenes Konto, sondern greift auf ein bestehendes zu: das der Geschäftsführung oder ein allgemeines Büro-Login, dessen Passwort im Team herumliegt. Bestellungen kommen weiterhin per Telefon und Mail herein, und jemand im Innendienst trägt sie nach.

Das funktioniert, und deshalb bleibt es oft jahrelang so. Auffällig wird es erst an einer bestimmten Stelle: bei der ersten Frage, die eine Bestellung einer Person zuordnen soll.

Denn im Datensatz steht keine. Eine Entwurfsbestellung, die über ein geteiltes Konto angelegt wurde, hat keinen Urheber, sondern nur einen Zeitstempel. Provisionen werden dann aus Kalendereinträgen, Mailverläufen und Erinnerung rekonstruiert. Manuelle Preisüberschreibungen lassen sich niemandem zuordnen. Und wer das Unternehmen verlässt, kennt weiterhin ein funktionierendes Passwort.

Das ist weniger ein Sicherheitsthema als ein Buchhaltungsthema mit Sicherheitsfolgen. Die Kosten entstehen nicht beim Zugriff, sondern jedes Mal, wenn rückwirkend geklärt werden muss, wer was getan hat.

Merksatz: Ein geteiltes Konto spart die Entscheidung, nicht die Arbeit. Es verschiebt sie in die Rekonstruktion.

Die drei Wege, um die es im Folgenden geht, unterscheiden sich in Kosten, Aufwand und Komfort erheblich. In einem Punkt unterscheiden sie sich nicht: Jeder von ihnen erzeugt eine eindeutige Zuordnung zwischen Bestellung und Person. Ein geteiltes Konto kann das grundsätzlich nicht.

Die Vorentscheidung: Gibt es überhaupt Mitarbeitendenkonten?

Bevor über Berechtigungen oder Oberflächen gesprochen wird, entscheidet eine Zahl, welche Wege überhaupt offen stehen: die Anzahl der Mitarbeitendenkonten im gebuchten Plan.

PlanMitarbeitendenkonten
Starter0
Basic0
Grow5
Advanced15
Plusunbegrenzt

Das ist die eigentliche Hürde, nicht Shopify Plus. Die B2B-Funktionen, also Unternehmen und Unternehmensstandorte, stehen inzwischen auf Basic, Grow, Advanced und Plus zur Verfügung, und auch die Berechtigungen für Vertriebsmitarbeitende sind planübergreifend nutzbar. Plus unterscheidet sich an anderer Stelle: unbegrenzte B2B-Kataloge und die direkte Zuweisung eines Katalogs an ein einzelnes Unternehmen, während die übrigen Pläne auf drei aktive Kataloge über alle B2B-Märkte hinweg begrenzt sind.

Praktisch bedeutet das: Auf Basic ist der native Weg geschlossen, obwohl B2B selbst nutzbar wäre. Es gibt schlicht kein Konto, das der Vertrieb benutzen könnte. Ab Grow ist er offen, solange die Teamgröße in den Plan passt. Ein Außendienst mit zwölf Personen auf Grow ist rechnerisch kein natives Szenario, unabhängig davon, wie gut die Funktionen sonst passen würden.

Der native Weg: Shopify Admin als Arbeitsplatz

Der von Shopify vorgesehene Weg kommt ohne zusätzliche Apps und Gebühren aus und besteht aus vier Schritten:

  1. Berechtigungen anlegen (Rolle „Vertrieb")
  2. Konto anlegen
  3. Einladung an die Mitarbeitenden senden
  4. Unternehmensstandorte zuweisen (optional)

Bei den Berechtigungen lassen sich Vorlagen für mehrere Konten anlegen, was bei Fluktuation im Team den Aufwand deutlich senkt. Vertriebsmitarbeitende sollten typischerweise Entwurfs- oder echte Bestellungen anlegen sowie ihre zugewiesenen Kunden und Produkte einsehen können. Einsicht in Berichte oder das Bearbeiten von Theme und Produkten ist in den meisten Fällen nicht erforderlich.

Shopify unterscheidet dabei zwei Rollen. Die Vertriebsleitung steuert, welche Mitarbeitenden mit welchen Unternehmensstandorten arbeiten, und kann zusätzlich Shop-Administration übernehmen. Vertriebsmitarbeitende erreichen nur die ihnen zugewiesenen Standorte und Datensätze. Die minimale Kombination besteht aus „Unternehmen anzeigen", „Mitarbeitende zu Unternehmensstandorten zuweisen" und „Berechtigungen auf zugewiesene Unternehmensstandorte beschränken". Pro Unternehmensstandort lassen sich bis zu zehn Mitarbeitende zuweisen, und eine Person kann für beliebig viele Standorte zuständig sein.

Wichtig ist dabei ein Punkt, der in der Praxis regelmäßig überrascht: Die Beschränkung auf zugewiesene Standorte filtert die Seiten Kunden, Bestellungen, Entwurfsbestellungen und Unternehmen. Alle anderen Seiten im Shopify Admin filtern nicht nach Unternehmen. Wer also Zugriff auf Analysen oder Produkte gewährt, gewährt ihn vollständig und nicht auf den eigenen Kundenkreis beschränkt. Das ist kein Fehler, sondern eine Designentscheidung, aber sie muss bei der Definition der Rolle bekannt sein.

Der native Weg hat einen Vorteil, der leicht übersehen wird, weil er unsichtbar ist: Es gibt kein zweites System, das bei Änderungen an Shopify nachgezogen werden muss, und das Verhalten ist dokumentiert. Checkout-Anpassungen wie Lieferkonditionen werden bei Entwurfsbestellungen berücksichtigt.

Sein Nachteil ist der Arbeitsplatz selbst. Der Shopify Admin ist eine Verwaltungsoberfläche, kein Vertriebswerkzeug, und für externe Handelsvertretungen bleibt ein Admin-Konto ein Admin-Konto, auch mit minimalen Rechten.

Merksatz: Wenn der Plan genug Konten hergibt und das Team intern ist, ist nativ die beste Antwort. Nicht, weil sie am meisten kann, sondern weil sie am wenigsten kostet, wenn Shopify sich ändert.

Der App-Weg: andere Oberfläche, gleiche Bestellung

Der zweite Weg ist von der jeweiligen App abhängig, weist aber wiederkehrende Muster auf. Vertriebsmitarbeitende benötigen eine Identität, entweder als Mitarbeitendenkonto im Admin oder als Kundenkonto im Shop. Diese wird in der App ausgewählt und markiert, anschließend werden Berechtigungen oder konkrete Unternehmen, Kundenkonten und Tags zugewiesen.

Der architektonisch entscheidende Unterschied liegt in der Art der Identität. Lösungen, die mit einem Kundenkonto statt einem Mitarbeitendenkonto arbeiten, umgehen die Kontobegrenzung des Plans vollständig und gewähren keinen Admin-Zugriff. Der Vertrieb bestellt dann in der gewohnten Shop-Oberfläche im Namen des jeweiligen Kundenkontos. Für Unternehmen mit externen Handelsvertretungen ist das häufig der ausschlaggebende Punkt, und zwar nicht der Funktionsumfang, sondern die Tatsache, dass niemand von außen ein Konto im Backend braucht.

Der Preis dafür ist eine zusätzliche Abhängigkeit. Die Berechtigungslogik der App liegt über der von Shopify und muss zusätzlich verstanden und geprüft werden. Bei Änderungen an Shopify hängt der eigene Zeitplan am Anbieter. Die Bestellung entsteht aber weiterhin in Shopify, und damit bleibt es bei einem System der Wahrheit.

Merksatz: Der App-Weg löst ein Oberflächen- oder ein Zugriffsproblem. Wer keines von beiden hat, kauft sich nur eine Abhängigkeit ein.

Der externe Weg: Shopify als Ziel, nicht als Arbeitsort

Beim dritten Weg arbeitet der Vertrieb vollständig außerhalb von Shopify, in einem eigenen Portal oder einer vorgelagerten Anwendung. Die Bestellung wird dort erfasst und per Schnittstelle nach Shopify übertragen, teilweise wird auch der Checkout selbst vom externen System übernommen. Shopify ist dann nicht mehr der Ort, an dem der Auftrag entsteht, sondern das System, in dem er landet.

Das bringt volle Kontrolle über den Erfassungsprozess mit sich, umgeht Kontobegrenzung und Admin-Zugriff und macht Offline-Fähigkeit möglich, was im Außendienst ein echtes Argument ist. Es ist außerdem der einzige Weg, der trägt, wenn Shopify nur einer von mehreren Kanälen ist.

Dafür müssen Preise, Bestände, Kunden und Kataloge synchron gehalten werden, und zwei Systeme können auseinanderlaufen. Schnittstellenausfälle werden zu einem eigenen Betriebsgegenstand. Am unangenehmsten wird es, wenn die Kundschaft beide Seiten sieht: Eine Abweichung zwischen dem Preis im Portal und dem Preis im Shop ist schwer zu erklären und beschädigt das Vertrauen in beide Systeme.

Merksatz: Der externe Weg ist die richtige Antwort auf einen anderen Prozess, nicht auf eine unbequeme Oberfläche.

Der Sonderfall, der alle drei Wege betrifft: Entwurfsbestellungen

Sobald Bestellungen manuell als Entwurf angelegt werden, gilt: Alles, was im Storefront passiert, passiert hier nicht. Automatische Bundles, Rabattlogik im Theme, tag-basierte Anzeige- oder Preisregeln, Storefront-Skripte. Diese Mechanismen fehlen nicht, weil etwas falsch konfiguriert wäre, sondern weil es keine Storefront gibt, in der sie laufen könnten.

Serverseitige Logik über Shopify Functions kann dagegen greifen. Zuverlässig vorhersagen lässt sich das nicht, und genau das ist für ein Vertriebsteam das Problem. Es geht nicht darum, dass eine bestimmte Regel fehlt, sondern darum, dass niemand vorher sagen kann, welcher Preis am Ende auf der Bestellung steht. Für Mitarbeitende, die im Kundentermin eine Zahl nennen müssen, ist das die unangenehmste Form von Unsicherheit.

Wer seine Preislogik im Storefront aufgebaut hat und den Vertrieb über Entwurfsbestellungen arbeiten lässt, betreibt zwei Preissysteme. Die Konsequenz ist nicht zwingend, auf Entwurfsbestellungen zu verzichten, sondern die Preislogik dorthin zu verlagern, wo beide Wege sie sehen.

Merksatz: Entwurfsbestellungen sind kein Feature-Problem, sondern eine zweite Preiswahrheit.

Die Lösung: nativ, solange nativ möglich ist

Meine Empfehlung ist bewusst unspektakulär und folgt einer Reihenfolge.

  1. Nativ, wenn der Plan genug Konten hergibt, das Team intern ist und der Vertrieb bereit ist, im Admin zu arbeiten. Keine laufenden Kosten, keine zusätzliche Abhängigkeit, dokumentiertes Verhalten.
  2. Eine App, sobald eine dieser Bedingungen bricht. Zu viele Mitarbeitende für den Plan, externe Handelsvertretungen ohne Admin-Zugriff oder ein Vertrieb, für den der Shopify Admin schlicht das falsche Werkzeug ist. Die Frage ist dann nicht, welche App am meisten kann, sondern welche der drei Bedingungen gebrochen ist, denn davon hängt ab, worauf zu achten ist.
  3. Ein externes System, wenn die Auftragserfassung nicht nur eine andere Oberfläche, sondern einen grundlegend anderen Prozess braucht.

Und in allen drei Fällen gilt: Die Preislogik gehört an eine Stelle, die beide Wege sehen. Sonst wird jede Entscheidung über den Arbeitsort des Vertriebs später von der Preisfrage wieder aufgemacht.

Vergleich der drei Wege

AspektNativMit AppExternGeteiltes Konto
ArbeitsortShopify Admin, VerwaltungsoberflächeEingebettete oder Shop-OberflächeEigenes PortalWechselnd, meist Admin
KontobedarfMitarbeitendenkonto, planbegrenztMitarbeitenden- oder KundenkontoKeines in ShopifyEin Konto für mehrere
Externe HandelsvertretungenAdmin-Zugriff nötig, heikelOhne Admin-Zugriff möglichOhne Admin-Zugriff möglichNicht nachvollziehbar
Zuordnung zu KundenUnternehmensstandorte, bis zu 10 Mitarbeitende je StandortApp-abhängig, oft über Tags oder RegelnIm externen SystemKeine
Sichtbarkeit einschränkenNur auf vier SeitentypenApp-abhängigVollständig steuerbarGar nicht
Preislogik im StorefrontGreift nicht bei Entwurfsbestellungen, nur Shopify FunctionsGreift bei Bestellung über den Shop; bei Entwürfen wie nativMuss synchron gehalten werdenWie nativ
Offline-FähigkeitNeinApp-abhängigMöglichNein
Laufende KostenKeine, nur PlanstufeApp-GebührEntwicklung und BetriebKeine sichtbaren
Bei Shopify-ÄnderungenShopify zieht selbst nachZeitplan hängt am AnbieterEigener AnpassungsaufwandUnbemerkt
Bei AusfallKein zusätzlicher AusfallpunktApp nicht erreichbar, Shopify bleibtBestellungen laufen auseinanderFällt erst bei Prüfung auf
NachvollziehbarkeitPro Konto sauberPro Rep sauberIm externen System sauberNicht gegeben
Passt, wennder Plan genug Konten hergibt und das Team intern istKontobegrenzung, externe Partner oder die Oberfläche das Problem sinddie Erfassung einen eigenen Prozess brauchtnie, außer als bewusster Übergang

Ausblick

Dieser Artikel hat die Einrichtung auf Flughöhe betrachtet. In den weiteren Artikeln dieser Reihe gehe ich auf die einzelnen Bausteine ein: Berechtigungen im Detail, die Zuweisung von Kunden zu Mitarbeitenden und die Frage, was Mitarbeitendenkonten in Shopify tatsächlich kosten, an Gebühren, an Rechten und an Risiko.